Selbst der Vatikan ist nicht immun: Sicherheitslücke legt Daten von mehr als 700.000 Nutzern offen
- Autor: Arno Schlösser, DP-Dock GmbH
- Letzte Aktualisierung: August 2026
- Kategorie: Datensicherheit
Eine Sicherheitslücke in der offiziellen Gebets-App des Papstes „Click to Pray“ hat ein eher modernes Problem für eine Institution offenbart, die gemeinhin mit jahrhundertealten Traditionen in Verbindung gebracht wird.
Die Sicherheitslücke, die im Januar von einem Sicherheitsforscher entdeckt wurde, ermöglichte potenziell den unbefugten Zugriff auf Daten von mehr als 700.000 registrierten Nutzern. Es wird davon ausgegangen, dass zu den betroffenen Informationen Namen und E-Mail-Adressen sowie Profilbilder, Geburtsdaten und Herkunftsländer gehörten. Passwörter, Anmeldedaten und persönliche Gebetsanliegen waren Berichten zufolge nicht betroffen.
Der Vorfall ist besonders bemerkenswert, da „Click to Pray“ keine obskure experimentelle Website ist. Der Dienst wird vom „Pope’s Worldwide Prayer Network“ betrieben und ist seit 2016 international verfügbar. Gerade religiöse Institutionen – in diesem Fall wohl eine der größten der Welt – müssen sicherstellen, dass sie ihrer Rechenschaftspflicht bei der Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten in sehr großem Umfang nachkommen.
Betrachtet man den gesamten Fall, so könnte darin eine Warnung liegen: Cybersicherheit macht keine Ausnahmen für Ansehen, Tradition oder gute Absichten. Ein Unternehmen, eine Wohltätigkeitsorganisation, eine Regierungsbehörde, eine Schule oder religiöse Institutionen können alle zu Zielen oder Opfern von Datenlecks und anderen Cyberbedrohungen werden. Ein bekannter Name oder eine vertrauenswürdige Institution macht die dahinterstehende Technologie nicht automatisch sicher.
Für Organisationen ist eine wichtige Erkenntnis hier, dass Sicherheit nicht einfach als gegeben angenommen werden sollte, nur weil alles zu funktionieren scheint. Systeme müssen regelmäßig getestet, Zugriffskontrollen überprüft, Software gewartet und Schwachstellen im Zweifelsfall ernst genommen werden.
In einer zunehmend vernetzten (digitalen) Welt müssen Cybersicherheit und die damit verbundenen Bedrohungen ernst genommen werden. Vielleicht sollten Unternehmen einen Moment innehalten und nachdenken – wenn selbst der Vatikan eine Sicherheitslücke in seinen technischen Anwendungen haben kann, sollte niemand seine eigenen Systeme für zu klein, zu vertrauenswürdig oder zu wichtig halten, um auszufallen.